Würdigung des Naturschutzgebietes

Verordnung des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg über das Naturschutzgebiet ”Dellenhäule” auf den Gemarkungen Beuren und Elchingen, Landkreis Aalen vom 19.August 1969 (GBl. v. 25.09.1969, S. 216)

1.023 Dellenhäule

Würdigung

Zusammenfassung (Auszug)

Das Dellenhäule bei Waldhausen stellt ein landschaftlich besonders schönes Beispiel einer Wacholderheide dar.

Obwohl das Dellenhäule bereits als Landschaftsschutzgebiet eingetragen ist, wurde wiederholt versucht, dieses Naturrelikt wirtschaftlich intensiver zu nutzen und so durch geplante Aufforstungen dieses wohl schönste Beispiel eines typischen Wacholder- und Hudewaldes zu vernichten.

Eine derartige „gewinnbringendere“ Kulturartänderung würde aber in keinem Verhältnis zu dem naturwissenschaftlichen, kulturellen und ideellen Verlust dieses Landschaftsraumes stehen.

Gesamttext

Zu den charakteristischsten Bestandteilen der Alblandschaft gehören die Schafweiden.

Mit ihrem lichtem Bestand aus Wacholder-, Mehlbeer-, Eschen- und Buchengehölz, mit Rosen und Sohlengebüsch und prachtvollen einzelstehenden „Weidbuchen“ überziehen diese kurzrasigen Flächen die falchgründigen Kalkböden der Kuppen auf der Albhochfläche.

Seit alter Zeit nehmen sie auf der Alb auf Grund ihrer geologisch-edaphischen Voraussetzungen einen im Vergleich zu den benachbarten Landschaften breiten Raum ein.

Ohne ihr charaktervoll-herbes Bild, ohne die malerischen Gestalten des Wacholders wäre das Bild der Alb um eines seiner eigentümlichsten Bestandteile ärmer.

„Am stimmungsvollsten sind sie im Herbst, wenn aus den kurzen, sonnverbrannten Rasen noch blaue Glocken und Gentianen und rote Skabiosen blühen, die weitoffenen, großen weißstrahlenden Blumenkronen der stengellosen Silberdistel wie lauter Sonnen auf der Heide liegen.

Über den Steinbrocken stehen hohe Büsche von Schlehendorn, Weißdorn und wilden Rosen, voll von kleinen, tieffarbigen, den Winter überdauernden Früchten“ (Eduard Paulus).

Heute sind nur noch kleine Reste vorhanden.

Der größte Teil der Schafweiden wurde in den vergangenen Jahrzehnten aufgeforstet oder künstlich gedüngt und unter den Pflug genommen.

Diese Entwicklung ist seit einigen Jahren in raschem Fortschreiten begriffen, nicht zuletzt durch die mit Zuschüssen geförderte Aufforstung.

Umso wertvoller und schützenswerter sind daher die noch vorhandenen Restflächen.

Sind sie doch nicht nur typische Bestandteile der Alblandschaft, Denkmale einer im Verschwinden begriffenen, jahrtausendealten Kulturform, charakteristische Pflanzenvergesellschaftungen und Lebensräume für viele Tiere, sondern darüber hinaus als „Erholungslandschaften“, die von breitesten Kreisen in größtem Umfang aufgesucht werden, von ganz besonderer Bedeutung.

Das Dellenhäule bei Waldhausen stellt ein landschaftlich besonders schönes Beispiel einer Wacholderheide dar.

Dieser naturnahe Landschaftsteil wirkt besonders eindrucksvoll von dem im Osten vorbeiziehenden Trockentälchen, über das sich das Dellenhäule mit seinem reichen Bewuchs an Wacholdern und Büschen aller Art, mit seinen prachtvollen alten Eichen und seinen Felsen aus dolimitisierten Weißjura-Epsilonkalk, erhebt.

Nur ein Teil des Dellenhäule ist indessen typische Schafweide, ein anderer, eben der Bereich der erwähnten Eichenbestände, ist alter Hudewald.

So bildet also das Dellenhäule ein landschaftlich besonders reichgestaltiges Denkmal zweier alter Hudewälder dienenden Eichenhaine.

Als Pflanzenstandorte treten die Schafweiden gegenüber anderen Pflanzengesellschaften, etwa den heute fast verschwundenen einmähdigen Wiesen, infolge der Beweidung im Allgemeinen an Artenzahl zurück.

Um so bemerkenswerter ist es daher, daß das Dellenhäule neben den für alle Schafweiden charakteristischen Pflanzen wie

Fiederzwenke, Brunelle, Silberdistel, Flockenblume, Zypressenwolfsmilch, Sonnenröschen, Frühlingsenzian, Deutscher und Gefranster Enzian, Biebernelle und Thymian nach Angaben von Herrn Ottmar Engelhardt noch folgende Kostbarkeiten bergen:

Mondraute (Botrychium lunaria), Quirlblättriger Weißwurz (Polygonatum verticillatum), Großblütiges Waldvögelein (Cephalanthera grandiflora), Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Zweiblatt (Listera ovata), Mannsknabenkraut (Orchis masculus), beide Arten der Kuckucksblume (Platanthera bifolia und Platanthera chlorantha), Mückenragwurz (Ophris muscifera) und Knollenorchis (Herminum monorchis).

Neben den für viele Schafweiden typischen Schafstelzen, Wiesenpipern, Heidelerchen, verschiedenen Würgearten, Braunkehlchen, wurde im dichter bewachsenen Bereich der Pirol als Brutvogel festgestellt.

Außerdem wird als Brutvogel der Rote Milan, einer unserer stattlichen Greifvögel, angegeben.

Von der Straße ElchingenEbnat aus ist das Dellenhäule durch ein unberührtes stilles Trockental zu erreichen.

Abgelegen vom lärmenden Verkehr und doch leicht erreichbar bildet es einen idealen Erholungsraum und wird häufig und gerne aufgesucht.

In dieser parkartigen, weitgehend sich selbst überlassenen, urtümlich anmutenden Landschaft findet der Besucher die Erholung und den Landschaftsgenuß, den er in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen und auch in den monoton wirkenden Fichtenwäldern, die in der weiteren Umgebung auf den Weißjura bedeckenden Feuersteinlehmen vielfach stocken, nicht finden kann.

Auch unter diesem, heute immer wichtiger werdenden Gesichtspunkt, ist der Erhalt des Dellenhäule in seinem einmaligen typischen Heidecharakter von besonderem Wert.

Obwohl das Dellenhäule bereits als Landschaftsschutzgebiet eingetragen ist, wurde wiederholt versucht, dieses Naturrelikt wirtschaftlich intensiver zu nutzen und so durch geplante Aufforstungen dieses wohl schönste Beispiel eines typischen Wacholder- und Hudewaldes zu vernichten.

Eine derartige „gewinnbringendere“ Kulturartänderung würde aber in keinem Verhältnis zu dem naturwissenschaftlichen, kulturellen und ideellen Verlust dieses Landschaftsraumes stehen.

 

Ergänzende Informationen:

→ Staatliche Naturschutzverwaltung B-W: Managementplan für das FFH-Gebiet 7327-341 „Härtsfeld“ einschließlich Vogelschutzgebiet 7127-401 „Tierstein mit Hangwald und Egerquelle“

10. November 2017
Zurück